„‚Da war doch jemand…‘ – Halluzinationen bei Parkinson verstehen“
Herr M. sitzt abends im Wohnzimmer. Es ist ruhig, der Fernseher läuft leise im Hintergrund. Plötzlich sieht er im Augenwinkel eine Gestalt. Er dreht sich um, doch da ist niemand. „Einbildung“, denkt er zuerst. Doch in den nächsten Tagen passiert es wieder. Schatten bewegen sich, manchmal meint er sogar, eine Person im Raum zu sehen. Er ist verunsichert und spricht zunächst mit niemandem darüber. Erst als die Situationen häufiger werden und ihn zunehmend beunruhigen, erzählt er seiner Frau davon.
Gemeinsam suchen sie ihren Arzt auf. Dort erfährt Herr M., dass solche Wahrnehmungen bei Parkinson nicht ungewöhnlich sind – und dass man etwas dagegen tun kann.
Alle Parkinson-Medikamente greifen in den Gehirnstoffwechsel ein. Sie verbessern in erster Linie die Beweglichkeit, können aber auch Nebenwirkungen haben. Viele Betroffene entwickeln im Verlauf der Erkrankung sogenannte nicht-motorische Symptome, darunter Halluzinationen, medikamentenbedingte Psychosen oder gelegentlich wahnhafte Vorstellungen.
Diese Erfahrungen können verunsichern und sowohl für Betroffene als auch für Angehörige belastend sein. Deshalb ist es wichtig, Halluzinationen und Wahn ernst zu nehmen und frühzeitig zu handeln. Offenheit gegenüber dem behandelnden Arzt sowie gegenüber Angehörigen ist dabei entscheidend, denn eine rechtzeitige Behandlung kann die Symptome deutlich verbessern oder sogar zum Verschwinden bringen. Treten entsprechende Wahrnehmungen auf, sollte unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden, da sich die Beschwerden sonst verstärken und in ausgeprägte Halluzinationen oder Verwirrtheitszustände übergehen können.
Als Halluzinationen bezeichnet man Wahrnehmungen, die ohne äußeren Reiz entstehen. Betroffene sehen, hören oder riechen Dinge, die in Wirklichkeit nicht vorhanden sind. Bei Parkinson treten am häufigsten visuelle Halluzinationen auf. Diese können sehr unterschiedlich sein: von kurzen, harmlosen Eindrücken wie Schatten oder Lichtreflexen bis hin zu klaren und real wirkenden Bildern. Oft beginnen sie unauffällig und entwickeln sich im Verlauf stärker. Häufig treten sie zunächst abends oder in ruhigen Situationen auf.
Die Ursachen sind vielfältig. Eine wichtige Rolle spielen Medikamente, insbesondere dopaminerge Therapien. Aber auch Infekte wie Grippe oder Harnwegsinfektionen, Flüssigkeitsmangel, Schlafstörungen sowie ein höheres Alter oder eine längere Krankheitsdauer können Halluzinationen begünstigen. Zusätzlich erhöhen kognitive Beeinträchtigungen und Depressionen das Risiko.
Halluzinationen sollten nicht ignoriert werden. Sie erhöhen die Sturz- und Unfallgefahr und können Beziehungen belasten. Je länger sie unbehandelt bleiben, desto stärker können sie sich ausprägen. Daher ist es wichtig, frühzeitig zu reagieren. Dazu gehört, den Arzt zu informieren, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten und mögliche körperliche Auslöser abklären zu lassen. Auch Angehörige sollten informiert sein, um rechtzeitig unterstützen zu können.
Im Rahmen der Behandlung überprüft der Arzt mögliche Ursachen wie Infekte, Flüssigkeitsmangel oder Wechselwirkungen von Medikamenten. Häufig kann bereits eine Anpassung der Parkinson-Medikation helfen. In manchen Fällen kommen auch spezielle Medikamente gegen Halluzinationen zum Einsatz.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Halluzinationen und Wahn. Während Halluzinationen Sinnestäuschungen sind, handelt es sich beim Wahn um feste Überzeugungen, die nicht der Realität entsprechen, zum Beispiel die Angst, verfolgt zu werden. Beide Symptome sollten ernst genommen und behandelt werden.
Halluzinationen und wahnhafte Erlebnisse bei Parkinson sind behandelbar. Entscheidend ist, frühzeitig zu handeln und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Selbst wenn es Ihnen schwerfällt, sollte Sie die Gelegenheit nutzen, dies mit Ihrem Arzt und Therapeuten zu besprechen.




